Privatschulen im Blickpunkt
Diskussion über Bildungsmisere
Verl(WB). Sind Privatschulen ein Ausweg aus der Bildungsmisere? Über diese
Frage wurde beim jüngsten Mittelstandsstammtisch der FDP Verl
diskutiert.
Laut Referent Heinz Barlmeyer, Berater für
private Schulgründungen, machen Privatschulen im deutschen Schulsystem
nur drei Prozent aus. In anderen europäischen Ländern sei der Anteil
zum Teil deutlich größer. Private Schulen arbeiteten flexibler als die
meisten öffentlichen, stellte Barlmeyer heraus. Ein Beispiel sei die
Jahresstundentafel: Hierbei werde bei einem Lehrerausfall ein anderer
Unterricht vorgezogen und später hole der Lehrer seine
Unterrichtsstunden nach. So würden Ausfallstunden oder fachfremder
Unterricht verhindert. Zudem habe jede Privatschule für sich ein Profil
entwickelt. Dadurch gebe es einen offenen Wettbewerb der Schulen, der
Qualität und Leistung fördere.
Der zweite Referent Ralf Höner
stellte die private Grundschule in Seligenstadt vor, an der er
Vorstandsmitglied ist. Sie zeichne sich durch extrem kleine Klassen
beziehungsweise Lerngruppen von sieben Schülern aus sowie durch eine
außergewöhnlich starke Einbindung der Eltern in den Schulalltag. Da die
finanzielle Förderung geringer sei als bei öffentlichen Schulen, müsse
ein Schulgeld erhoben werden, so Höner. Daher könnten die Kapazitäten
nur langsam erhöht werden, trotz einer deutlich höheren Bewerberzahl.
Das
Resümee des Stammtischs lautete, dass mehr Flexibilität und
Individualität der Bildungsmisere entgegen wirken könne. Dazu müsse es
aber mehr Privatschulen geben, um die öffentlichen Schulen in diese
Richtung zu führen. Leider werde diese Entwicklung jedoch durch die
finanzielle Benachteiligung und das föderalistische Bildungssystem
erschwert.
Der nächste Mittelstandsstammtisch findet bereits am
morgigen Mittwoch zum Thema »PPP-Projekte - Chancen und Risiken für
mittelständische Unternehmen der Bauindustrie« statt. Beginn ist um
19.30 Uhr im Hotel »Altdeutsche«, es referiert ThomasÊHein.
Westfalenblatt, 27.03.2007 - Originalartikel
